Wie Aruufelt begann

Drei Säcke rohe Wolle und eine Bushaltestelle im Nebel.

Meine Leidenschaft für kirgisische Jurten führte mich im Juni 2022 zu Filz und Wolle. Schweizer Kunden bei Luzern hatten ihre Jurten-Plattform mit Schafwolle von Bauern aus der Umgebung gedämmt und boten mir danach drei Säcke mit dem Rest an. Ich hatte kaum eine Vorstellung, was man mit roher Wolle machen kann — zum Glück, sonst hätte ich sie vielleicht kompostiert und die ganze Idee vergessen.

Stattdessen verbrachte ich Wochen mit Waschen, Trocknen, Klopfen und Kardieren und lernte dabei Schritt für Schritt. Als Kind hatte ich meinen Tanten und Grossmüttern beim Teppichmachen geholfen, und diese Erinnerungen trugen mich durch. An einem nebligen Morgen, an einer Bushaltestelle, erinnerte ich mich plötzlich an meine verstorbene Grossmutter — eine Handwerkerin, die fast nur selbstgemachte Kleidung trug — und wie sehr ich mir gewünscht hätte, mit ihr zu filzen. An der Haltestelle brach ich in Tränen aus.

Schritt für Schritt wurde das Filzen Teil meines Lebens neben meiner Architekturtätigkeit in Lausanne — ein Atelier, ein Filztisch und Workshops, in denen ich mein Wissen teile.

Warum Filz — ein kleines Manifest
Unsere Kleidung ist unsere zweite Haut.